Vom Tier zum Mensch-Evolution-Mensch

Proconsul-Affen waren die letzten gemeinsamen Vorfahren von und Menschen und von den Menschenaffen. Danach spalltete sich die Evolution. In der Grafik ist die tierische Entwicklungslinie gelb gezeichnet, sie ist relativ geradlinig und führt zu den heutigen Schimpansen. Die pinkfarbene menschliche Linie schwingt sich in einer dramatischen Kurve hoch bis zum Homo sapiens.

Rangordnung nach Ansehen

Rangordnung nach Fähigkeiten und Ansehen

Auffällig sind die großen Gebisse der Affen. Gorillas zum Beispiel sind reine Pflanzenfresser. Ihr Lebensbereich ist das Astwerk im tropischen Regenwald, sie haben keine natürlichen Feinde. Dort leben keine Löwen, Jaguare oder Hyänen, und mit Riesenschlangen haben sie auf Grund ihrer Körperfülle und Kraft keine Probleme. Wieso hat sich bei ihnen durch die natürliche Auslese der Evolution ein Raubtiergebiss mit großen Eckzähnen gebildet? Die Antwort sieht man heute bei der Beobachtung von Gorillagruppen: Sie dienen allein den Rangordnungskämpfen. Der Gorilla mit dem größten Gebiss, den mächtigsten Muskeln und dem höchsten Gewicht erobert die Spitzenstellung. Er allein darf sich mit den Weibchen paaren und seine Kampfgene verbreiten.
Bei der Menschenlinie zeigen schon die frühesten Funde eine Rückbildung der Eckzähnebis hin zu unserem heutigen Gebiss. Dafür wuchs bei uns das Gehirn. Der Grund war eine Änderung der Rangordnung. Nicht mehr die Kampfstärke war ausschlaggebend, sondern die Gehirnleistung. Wer klug und geschickt war, der stieg im Ansehen und in der Rangordnung. Das Ansehen entstand in den Köpfen der Ansehenden, den Gruppenmitgliedern. Gehirne beurteilten Gehirne. Gehirne steuerten ihre eigene Evolution.
Wie kam es zu dieser Entwicklung? Alles hat eine Ursache. Auch der Aufschwung der Menschheit hat Ursachen. Das Ursache-Wirkungs-Denken ist ein wichtiger Teil unseres jetzigen Denkvermögens, also folgen wir ihm und entdecken die Ursachen der Menschwerdung.

Abspaltung und Auswahl

Vor etwa 35 Millionen Jahren begann Afrika auseinander zu reißen. Die somalische Platte driftete (und driftet immer noch) in Richtung Osten. An der Risstelle entstanden eine Kette von Seen. An den Rändern strömte Magma aus und bildete hohe Gebirge. Diese Gebirge waren ein Hindernis für die Regenwolken, die vorher weit in das Landesinnere zogen und den Ostafrikanischen Regenwald mit Wasser versorgten. Der Wald trocknete in den folgenden Millionen Jahre immer mehr aus und wurde kleiner. An seiner Stelle breitete sich eine Trockensteppe aus, die Savanne. Beschleunigt wurde diese Entwicklung durch das Vordringen von Gräsern.Mit seinen abgestorbenen Halmen, dem Heu, förderte es Steppenbrände. Sein dichtes Wurzelwerk konnte genug Wasser speichern und nach einem Brand wuchsen daraus wieder neue Triebe. Es überwucherte Konkurrenzpflanzen und drängte den Regenwald immer weiter zurück. Im Wald herrschten Überbevölkerung und Hunger. Wer konnte, floh in die Ferne oder zumindest in eine der vielen kleinen Einzelwäldchen. Die hatten keinen Kontakt zum Regenwald und waren von der Savanne umgeben. Auch Waldaffen aus der Familie "Proconsul" waren solche Umzugskandidaten.
Sie standen Rand des Regenwaldes und starrten zu den Wäldern in der Savanne herüber. Sie hatten eins gemeinsamen: Ihre Not und ihr Elend, aber Körper und ihre Instinkte waren dem Leben im Dschungel angepasst, und einer dieser Instinkte warnte sie vor dem Überqueren der offenen Savanne. Einige von ihnen wagten dennoch den gefährlichen Weg, ihr Mut war stärker als die Instinktwarnung. Es war eine Auslese, die die Basis der Menschheit bildeten.

Umorganisation des Gehirns

Sie lebten jetzt in einem völlig anderen Biotop: In kleinen Vorwäldern, umgeben von Savanne. Ihre Instinkte und vererbtes Verhalten aber war immer noch dem tropischen Regenwald angepasst. Der normale tierische Weg wäre warten. Warten, bis sich durch Zufallmutationen ihre Instinkte angepasst hatten. So verlief die Evolution bei Pavianen, die sich ähnlich wie unsere Vorfahren zu Steppenaffen entwickelt hätten. Die Paviane hatten diese Zeit, denn es gab keine Affen-Konkurrenten. Bei den Vormenschaffen war das anders. Es gab den stetigen Flüchtlingsstrom aus dem vertrocknendem Urwald. Die Wäldchen waren bald überfüllt, Neuankömmlinge mussten entweder sich einen Platz erkämpfen oder weiterziehen in entlegerne Wälder.
Dies war die Stunde der Mutanten. Mutationen sind Fehler bei der Zellteilung, Eizellen und Samenzellen enthalten bis zu Tausend Fehlern. Die meisten sind bedeutungslos, nur wenige wirken sich auf den Nachwuchs aus. Bei gut angepassten Lebewesen wirken die Fehler negativ. Die Erbanlagen sind ja schon viele Millionen Jahre optimiert worden. Bei den Humpelaffen in einem völlig veränderten Biotop aber war das anders, sie mussten sich neu anpassen, sie brauchten Veränderungen der Erbanlagen - und sie hatten wenig Zeit, zu groß war der Konkurrenzdruck.
Einige der Mutationen führte zu einer Vergrößerung des Gehirns. Das war an sich nichts Neues, solche Mutationen gab es schon immer und bei allen Tieren. Aber dort setzten sie sich nicht durch, denn das Gehirn verbraucht sehr viel Energie. Das war eine Belastung für das Individuum und seine Überlebenschancen schrumpften und die Bauanleitung für ein größeres Gehirn starb mit ihm.
Doch bei den Vormensch-Affen verlief es anders. Parallel hatte sich der aufrechte Gang entwickelt, die Arme und Hände dienten nicht mehr der Fortbewegung, sie konnten neue Aufgaben übernehmen. Zunächst verbesserten sich die Werfereigenschaften. Aus dem tapsigen Schleudern der Dschungelaffen wurde der gezielte Steinwurf. Dazu musste ein spezielles Wurfprogramm im Gehirn eingerichtet werden. Der Aufwand lohnte sich, die Energiebilanz verbesserte sich.
Ein zweites Betätigungsfeld von Hirn und Hand war die Werkzeugherstellung. Sie lohnte sich erst, wenn sie die Werkzeuge mehrmals benutzten.
Am Anfang musste die Gehirnmasse gar nicht zunehmen, es reichte eine Umorganisation. Weg mit den Instinkten, her mit dem Erfahrungswissen. Versuch und Irrtum und abspeichern, Versuch und Erfolg und Abspeichern und übernehmen und weitergeben.
Auslöser war der neue Biotop, er erforderte den aufrechten Gang mit freien Armen und Händen und ein verbessertes Gehirn. Die ersten Anwendungen waren der Steinwurf und die Werkzeugherstellung mit Mehrfachnutzung. Das reichte, um aus einem hochinteressanten Steppenaffen einen Vormensch werden zu lassen. Das war der Absprung vom Tier zum Mensch.

Aufrechtes Stehen

Die Savanne ist bewachsen mit hohem Gras, Büschen und anderen Bodenpflanzen. Das Streben zum Licht fördert alle Pflanzen, die hoch wachsen. Tiere, die über das Gras hinwegsehen können, haben eine erhöhte Lebenserwartung. Bei Antilopen und anderen Pflanzenfressern haben sich lange Beine und ein langer Hals durchgesetzt. Viele Affenarten können kurzfristig stehen und Ausschau halten. Die neuen Steppenaffen perfektionierten das Stehen. Immer länger und immer aufrechter konnten sie stehen. Sie hatten Zeit, das umliegende Grasland abzusuchen. Raubtiere verrieten sich durch Bewegungen des Grases. Je länger ein Steppenaffe stehen konnte, desto sicherer konnte er Raubtiere identifizieren. und desto größer war seine Überlebenschance und damit auch seine Vermehrungsrate. Seine Gene, die Gene eines aufrechten Stehers, verbreiteten sich in seiner Horde - zusammen mit anderen Genen guter Steher. Die Gene anderer Steppenaffen, die sich nur kurz aufrichten konnten, verschwanden langsam aus dem Genpool ihrer Horde.

Aufrechtes Laufen

Wenn ein Vorwäldchen leer gefressen war, und es auch in der nahen Umgebung der Savanne keine Knollen oder Wurzeln mehr gab, dann musste die Horde weiterziehen zu dem nächsten Wald. Das war wegen der Raubtiere immer ein gefährlicher Weg. Je schneller eine Horde den Nachbarwald erreichte, desto geringer war die Gefahr eines Angriffs. Aufrechte Dauerläufer waren klar im Vorteil. Sie liefen voran und waren die Ersten, die den Zielwald erreichten. Bei den langsamen Läufern, die immer wieder eine Erholungspause einlegen mussten, dauerte die Überquerung deutlich länger und sie waren länger der Gefahr eines Raubtierangriffs ausgesetzt. Die natürliche Auslese sorgte dafür, dass es immer mehr gute Dauerläufer gab.

Zweibeinigkeit

Damit ist eine total aufrechte Lebensweise gemeint. Wir heutigen Menschen stehen, gehen und laufen zweibeinig. Nur beim Ruhen oder Schlafen liegt unser Körper auf dem Boden oder einer Unterlage. Hinzugekommen ist das Hocken und Sitzen. Einige Tierarten sind auch Zweibeiner geworden, z.B. Raubsaurier und Pinguine. Die Zweibeinigkeit ist kein Alleinstellungsmerkmal des Menschen, hat aber einen großen Einfluss auf unsere weitere Evolution ausgeübt.

Steinwurf

Menschen sind die einzigen Lebewesen, die den einhändigen Präzisionswurf beherrschen. Er ist eine wirkungsvolle Waffe zur Jagd und zur Verteidigung. Ausgerüstet mit Wurfsteinen konnte eine Jagdgruppe in der offenen Savanne weit umherstreifen. Mit einem Steinhagel konnten sie Raubtierangriffe abwehren und selbst Beute erlegen. Gemäß der Hypothese wird der Beginn der Steinwurfzeit nahe dem Anfang der Menschwerdung gesetzt, also bei den Vormenschen. Es ist bisher kein einziger Stein gefunden worden, der sich eindeutig als Wurfstein identifizieren ließ. Als Beweis wird die menschliche Anatomie angeführt. Menschen sind geborene Werfer, von Kindesbeinen an. Der Wurf wird gesteuert von einem speziellem Programm in unserem Gehirn: Rechtshänder nehmen den Stein mit den oberen Fingergliedern auf, strecken den Arm nach hinten, überdehnen ihn dabei, auch die Schulter wird nach hinten gedreht und überdehnt, der linke Arm zeigt Richtung Ziel, die Wurfhand wird nach hinten gekippt und überdehnt, der ganze Körper ist gespannt wie ein Flitzebogen. Beim Wurf wird die Energie in optimaler Reihenfolge freigesetzt. Das Bein streckt sich und springt nach vor,  der linke Arm wird zurück gerissen, Becken und Schultergürtel drehen nach links, der rechte Arm schleudert nach vorn, zum Schluss gibt die Hand den letzten Schwung. Es ist ein komplizierter Bewegungsablauf, der Ablauf des Werfens ist, einmal ausgelöst, schneller als die Reaktionszeit der Muskeln auf eine allfällige Fehlerkorrektur. Der Stein muss genau in dem Augenblick verlassen, in dem alle Muskeln und Gliedmaßen ihre optimale Geschwindigkeit haben. Nicht bei jedem Menschen ist dieses Programm vorhanden. Die Analyse von Knochen mit den Muskelansätzen zeigen, dass der frühe Homo erectus einen perfekten Wurfkörper hatte. Der Ursprung aber muss nach den Gesetzen der Evolution viel früher gewesen sein. Das Wurfprogramm konnte sich nur entwickeln, während bereits geworfen wurde. Jede Erbänderung, die eine Verbesserung brachte, erhöhte die Überlebenschancen und damit die Vermehrungschancen, bis sich die Mutation im gesamten  Stamm ausgebreitet hatte. Die anatomischen Voraussetzungen für die besondere Jagdmethode mittels Wurftechnik sollen sich einer aktuellen Studie von  Neil Roach, George Washington Universität zufolge vor etwa zwei Millionen Jahren entwickelt haben.

Hetzjagd und Fleischnahrung

Heutige Schimpansen fressen Insekten, Jungtiere, Vogel- und Reptilieneier und jagen systematisch andere Affen und Tiere. Sie haben aber auch mehrere Millionen Jahre Evolution hinter sich. Wie der genaue Speiseplan unserer Affen-Vorfahren (vielleicht Proconsul) aussah, das wissen wir nicht. Viele Forscher sind überzeugt, dass auch unsere frühesten Vorfahren bereits tierisches Eiweiß (Proteine) zu sich genommen haben. Vermutet werden Aas, Insekten, Kleintiere und hilflose größere Tiere. Ihre Fähigkeiten reichten aber noch nicht aus, um Großwild zu jagen. Doch schon geringe, regelmäßige Proteinzufuhr reichte aus, um eine Umwandlung des Magen-Darm-Systems vorzubereiten.
Erst mit der Erfindung der Hetzjagd konnte Großwild gejagt werden. Ein Tier wird von der Herde isoliert und solange gehetzt, bis es an Erschöpfung oder Hitzschlag zusammenbricht. Diese Jagdmethode war nur möglich, weil die Vormenschen beim Wechsel von einem Kleinwald zum nächsten optimale Ausdauerläufer wurden. Sie bekamen mehr Schweißdrüsen, ihr Fell entwickelte sich zurück, aufrecht laufend schien die Sonne nur auf Kopf und Schultern und nicht auf den langgestreckten Rücken, wie bei ihrem Jagdwild. Die Ansprüche an ihr Denkvermögen war enorm. Der Anführer musste sich in die Lage des Tieres hinein versetzen. Wohin will es, zurück zur Herde, zu einem Wäldchen als Versteck, zu einer Wasserstelle? Dementsprechend musste er den Mitjägern Anweisungen geben, zu einem Punkt zeigen, an dem nichts war, z.B. zwischen Beutetier und Wasserstelle. Sprache gab es noch nicht. Die Mitjäger mussten das Zeigen mit ausgestrecktem Arm richtig deuten. Sie mussten sich in den Blick des Anführers hineinversetzen, oder sich den Arm riesig verlängert vorstellen. Das waren keine leichte Aufgaben für Wesen zwischen Tier und Mensch. Es war ein sich selbst anfeuernder Prozess: Je höher der Fleischanteil in der Nahrung, desto mehr Energie stand für die Entwicklung des Gehirns zu Verfügung. Und das sorgte für bessere Jagderfolge und für regelmäßige Fleischnahrung.

Werkzeuge

Viele Tiere stellen Einmal-Werkzeuge her, z.B. Vögel, die Halme oder Zweigen bearbeiten, mit denen sie dann nach Insekten stochern. Der immer gleiche Ablauf der Herstellung und des Gebrauchs macht klar, dass es sich um Instinkt-gesteuertes Verhalten handelt. Ein Ameisenbau ist der Auslösereiz, das Instinkt-Programm steuert den weiteren Ablauf: Einen Zweig suchen, ihn bearbeiten und das Werkzeug anwenden. Nach der Benutzung wird der Zweig zurückgelassen. Vormenschen gingen ähnlich vor. Sie benutzten Steine zum Zerschlagen von Markknochen - sofern Steine in der Nähe greifbar waren.

Doch irgendwann in der Vorgeschichte der Menschheit ist es passiert: Ein zweibeiniger Affenmensch war bei einem Kadaver mit nicht geknackten Knochen. In der Umgebung fand er keine Schlagsteine. Tage später war er in steinigem Gelände. Er erinnerte sich an die erste Situation und fasste den Gedanken, dass es auch in Zukunft solche Situationen geben wird. Dann fand er die Lösung für das vorgestellte, im Augenblick nicht real vorhandene Problem und trug geeignete Steine "nach Hause". Dort lagen sie zunächst nutzlos herum. Tage später fand er Aas mit Markknochen, erinnerte sich, und trug die Knochen in seinen Heimatwald. Dort zerschlug er sie und nun endlich, viele Tage nach der ersten Arbeit, kam die Belohnung, er konnte das Mark ausschlürfen. Sein Gehirn hatte eine Höchstleistung vollbracht - ohne Unterstützung von Instinkten oder Lernen durch Abkucken. Er war ein Genie seiner Zeit.

Beutel

Es gibt keine Fundstücke von Beuteln aus prähistorischer Zeit. Das ist nicht verwunderlich, weil Beutel vor der Erfindung des Flechtens oder Webens wahrscheinlich aus Tierfell hergestellt wurden. Der einfachste Beutel besteht aus dem gewendetem Fell eines Tieres. Einem Hasen oder Kaninchen wird bis heute das Fell mit einem einzigen Ruck über die Ohren gezogen und dabei gleichzeitig gewendet. Machte man dies mit einer Antilope, so hatte man aus der Haut der Beine gleichzeitig Tragegurte. Erforderlich war noch das Erlernen von Knoten oder Schlingen - wieder ein Gebiet, an dem die Geschicktesten Achtung und Anerkennung erwerben konnten. Ein Beutel erhöhte die Effiziens von Jägern und Sammlern, sie konnten viel mehr tragen und nach Hause bringen. Wichtig war er auch für Jäger, die einen Vorrat an Wurfsteinen bei sich hatten. Mit einem Steinhagel konnten sie sich gegen gefährliche Raubtiere verteidigen, aber auch Wild damit erlegen. So eine Jagdgruppe konnte frei in der Savanne umherstreifen. Damit begann die Eroberung der Savanne als Lebensraum.

Knüppel

Knüppel sind Werkzeuge zum Jagen, Angreifen, Verteidigen und Arbeiten. Sie verstärken durch die Hebelwirkung und ihre Härte die menschliche Muskelkraft. Die ersten Knüppe waren wahrscheinlich Großknochen von Aas. Sie mussten nicht bearbeitet werden, es gab viele Fundstellen. Vielleicht wurden sie auch zuerst direkt am Fundort angewendet, zur Abwehr von anderen Aasfressern. Danach wurden sie zurückgelassen. Doch auch hier gab es ein Genie! Er dachte sinngemäß: "Hier war es gut mit einem Knochen zu schlagen. In Zukunft wird es andere Überfälle geben, aber dann habe ich keinen Knochen zur Hand. Also nehme ich diesen mit." Wahrscheinlich waren Knüppel das erste Privateigentum. Die Schlagsteine durfte jeder benutzen, es gab ja genug davon. Aber ein Knüppel durfte von anderen nicht mitgenommen werden, dann hätte der Finder keinen mehr für sich.
Bei der Herstellung von Werkzeugen gab es ein Limit: Es musste sich lohnen. Die Arbeit kostete Kalorien und Zeit. Für ein Einmal-Werkzeug lohnte sich keine aufwändige Bearbeitung. Nur Werkzeuge für den Mehrfachgebrauch rechtfertigten eine arbeitsintensive Herstellung.

Feuer bei Buschbränden nutzen

Die Angst vor Feuer ist genetisch in allen Affen verankert, sicher auch bei den frühen Vormenschen. Die ersten positiven Erfahrungen haben sie wahrscheinlich nach erloschenen und abgekühlten Buschbränden gesammelt. Ein Absuchen der Fläche lohnte sich, mit etwas Glück fanden sie verbrannte oder verletzte Tiere und gegrillte Pflanzen. Zum ersten Mal genossen sie den Geschmack gegrillten Fleisches. Doch sie waren nicht allein, andere Horden und Tiere suchten ebenfalls. Wer zuerst kam, fand das Beste. Vielleicht dauerte es viele Generationen, bis die Angst soweit zurück gedrängt werden konnte, dass sie hinter dem Feuer, auf noch heißem Boden, suchen und jagen konnten. Jedes Individuum, dass seine Feuerangst besser unterdrücken konnte, hatte einen Lebensvorteil Seine Vermehrungschancen stiegen und seine Gene trugen dazu bei, dass die Feuerangst in seiner Horde zurückging.

Lagerfeuer

Der Gedanke erscheint leicht und logisch, ein Dauerfeuer in dem Heimatwald zu halten. Doch es ist sehr schwierig. Zunächst das Holen des Feuers, es zu tragen und es am Brennen zu halten, bis bis hin zum Heimatwald. Dort musste es in Empfang genommen werden und immer brennen oder glimmen, Tag und Nacht. Tag für Tag musste trockenes neues Holz herbeigeschafft werden. Bei Regen musste es geschützt werden. Es war eine schwierige Aufgabe, das musste fest organisiert werden. Wer war dafür zuständig? Wer gerade Lust hatte? Dann war das Feuer bald erloschen. Reihum? Das war schwierig durchzusetzen. Oder eine bestimmte Person, z.B. eine Frau mit Kindern, deren Mann tödlich verunglückt war? Vielleicht die beste Lösung, aber dann musste ihr jeder Jäger oder Sammler etwas abgeben. Das wäre auch ein großer Schritt zur Sozialisierung gewesen. Eine beweisbare Antwort werden wir wohl nie bekommen. Auch die Frage, wie lange diese Zeit gedauert hat, lässt sich seriös nicht beantworten.

Feuer anzünden

Auslöser der Steppenbrände waren Blitzschlag oder Selbstentzündung von Heu. Beobachtern erschien das, als käme das Feuer entweder vom Himmel oder aus dem Nichts. Wissenschaftler dachten lange Zeit, Menschen hätte bei der Herstellung von Steinwerkzeugen aus Funken das erste Feuer selbst entzündet. Doch das erwies sich als Fehler. Aus Feuersteinen entstehende Funken sind "kalte Funken", aus ihnen lässt sich keine Feuer entzünden. Nur durch Zusammenschlagen von Feuerstein mit Stahl, Pyrit oder Markasit entstehen brauchbare Funken. Stahl gab es damals bestimmt noch nicht, Pyrit und Markasit sind für die Werkzeugherstellung ungeeignet, beide kommen in Afrika nur selten vor, und dann meist in kleinen Stückchen oder als Staub. Wahrscheinlicher ist die Annahme, dass das erste Feuer durch Reibung von Holz an Holz entstand. Vielleicht hatten sie schon die Bohrtechnik erfunden, mit einem Hartholzstock ein Loch in eine Weichholzplatte zu bohren. Der Stock wurde zwischen beiden Handflächen hin und her gerollt. Die Bohrwirkung lässt sich mit ein wenig scharfkantigem Sand im Bohrloch verstärken. Als Nebeneffekt tritt Qualm auf, Bohrloch und Bohrer werden zu heiß zum Anfassen. Für einen normalen Vormenschen hieß das Warten bis zur Abkühlung. Doch irgendwann trat wieder ein Genie in Erscheinung und entwickelte eine Methode zum Feuer anzünden.

Ansehen

Bei Tieren, die in Gruppen leben, gibt es meistens eine Rangordnung mit einem Alpha-Männchen an der Spitze. Rang niedrigere Männchen werden vertrieben oder müssen sich ihm deutlich unterordnen. Die Rangordnung wird durch Kämpfe hergestellt, jeder kann jeden herausfordern bis festgestellt ist, wer das kampfstärkste Männchen ist. Der hat Sonderrechte bei der Nahrung und bei der Begattung von Weibchen. Seine Gene, und damit seine Erbanlagen für Gebiss, Krallen und Muskeln, verbreiten sich innerhalb der Gruppe. Deutlich erkennbar ist das an der Größe des Gebisses. Paviane, Orang-Utans, Gorillas und Schimpansen haben als Pflanzenfresser ein viel zu großes Gebiss mit Eckzähnen wie ein Raubtier.
Bei den Vor- und Frühmenschen ist dieses übergroße Gebiss zurückgegangen bis hin zu unseren heutigen Zähnen, bei denen Eckzähne meist nur angedeutet sind. Was war geschehen, warum der Rückgang? Geistige Fähigkeiten wurden für die Vormenschen immer wichtiger. Die Hersteller von Werkzeugen-, Beutel und Knüppel waren die Elite einer Horde. Dazu kamen die guten Steinewerfer und Jäger, besonders die Anführer von Hetzjagden. Mit ihnen musste sich jeder gut stellen, die sollte man sich nicht zu Feinden machen. Frauen brauchten einen Beschützer und Ernährer für sich und ihrer Kinderschar. Frauen legten keinen Wert mehr auf das Imponiergehabe starker Männer, sie suchten sich Partner, die viel Fleisch mit nach Hause brachten, ob als Jäger oder eingetauscht gegen Werkzeuge. Die Geschickten, die Könner, die Klugen standen hoch im Ansehen, sie bildeten die Führungsschicht einer Gruppe. Ihre Überlebens- und Vermehrungschancen wuchsen, ihre Erbanlagen wurden vermehrt weitergegeben. Geistige Fähigkeiten überflügelten reine Körperkraft.

Gehirne steuern ihre eigene Evolution

Geistige Fähigkeiten, Geschicklichkeit und soziale Kompetenz bestimmten das Ansehen. Dies alles waren Produkte des Gehirns. Geschicklichkeit kam nicht aus der Hand, sondern wurde vom Gehirn gesteuert, ebenso die sozialen Fähigkeiten und das Wurfprogramm. Der Körper war ausführendes Werkzeug und wurde durch Mutationen optimiert. Die Gehirnleistung bestimmte das Ansehen. Die Höhe des Ansehens entstand in den Gehirnen der Ansehenden. Augen und Ohren übermitteln ihre Informationen an das Gehirn, dort werden sie verarbeitet und bewertet. Gehirne beurteilen die Leistungsfähigkeit anderer Gehirne. Gehirne beurteilen Gehirne. Gehirne steuerten ihre eigene Evolution. Ab dieser Zeit ging es steil bergauf mit dem Gehirnwachstum und den Fähigkeiten der Frühmenschen. Homo erectus besiedelte vor über einer MillionenJahren ganz Afrika, Europa und große Teile Asiens. Es war der Siegeszug des Geistes.

Abspaltung der menschlichen Evolution von der Entwicklung der Tiere

Die Ursachen der Abspaltung

Bei uns Menschen war die Leistungsfähigkeit des Gehirns von Anfang an der dominierende Auslesefaktor. Das war neu und anders als bei Tieren. Bei Sauriern war es die Größe, bei vielen Vögeln die Schönheit des Gefieders, bei Gruppentieren die Kraft bei Rivalenkämpfen und bei uns Menschen eben das Gehirn. Das geschah ohne Zutun von oben, da hatte auch nicht Mutter Natur die Hand im Spiel oder Mr. Evolution mit darwinschem Rauschebart, es waren logische und nachvollziehbare Folgen von Ursache und Wirkung. Angefangen mit dem Umzug in die Vorwälder und dem Mangel an nützlichen Instinkten passte sich das Gehirn den neuen Anforderungen an. Das Werfen wurde in der offenen Landschaft immer wichtigen, im Gehirn entstand ein spezielles Wurfprogramm. Der aufrechten Gang hatte einen unerwarteten Nebeneffekt: Arme und Hände wurden frei für Werkzeuge. Neu entdeckte Jagdmethoden und das Feuer brachten unseren Vorfahren regelmäßige Fleischnahrung. Der Magen-Darm-Trakt verkleinerte sich, Knochen- und Muskelmasse bildeten sich zurück. Das einzige, das sich immer mehr vergrößerte, war unser Gehirn.
Später konnte die Menschheit die Vorherrschaft auf unserem Planeten weiter ausbauen. Zu den weiteren Errungenschaften gehörte die Entwicklung von Sprachen, Entdeckung der Tierzucht und Landwirtschaft, der Bau von Städten und das magisch -mythische Denken wurde abgelöst von der Logik der Wissenschaft und Technik. //